Bei den Kelten - Die Anderswelt
Die Anderswelt war in der keltischen Geschichte eine mythische Parallelwelt. Sie war der Ort der Erleuchtung und der Weisheit, den sich jeder ein wenig anders vorstellte. Der Zugang zu dieser Ebene war den Normalsterblichen nur unter bestimmten Bedingungen möglich (mit oder ohne Einverständnis der Andersweltbewohner). Als Tore zur Anderswelt galten z.B. Höhleneingänge. Die Anderswelt ist weder hier noch dort, und dennoch ist sie immer da, und nur für den, der sie wahrhaft sucht, ist sie zugänglich. Sie ist nicht die Welt der Toten, obwohl man nach dem leiblichen Tod in dieser Welt dorthin gelangt. Manchmal liegt die Anderswelt auf den Inseln hinter dem Sonnenuntergang, manchmal unter, den Hügeln, in denen das kleine Volk lebt. Manchmal liegt sie unter dem Meer oder in abgeschiedenen Bergtälern. Die Gebiete der Anderswelt in den Mythen der Kelten heißen »Tir na nOg« (das Land der ewigen Jugend) oder »Tir na mBeo« (das Land des ewigen Lebens).
Die Anderswelt ist eine Welt ausserhalb von Zeit und Raum. Das ist nicht ungefährlich, wie das Beispiel Oisíns, des Sohnes Fionns, zeigt. Er verirrte sich in die Anderswelt und blieb während seines Aufenthaltes immer gleich jung. Aber als er zurückkehrte, alterte er sofort um 300 Jahre, und so wie er den Erdboden berührte, zerfiel er zu Staub. Die Anderswelt erscheint, wie erwähnt in den Mythen, häufig als Ort der Weisheit und Erleuchtung. Krieger erlernen dort die Kampfkunst, Poeten finden ihre Inspiration, und die Druiden erwerben magisches Wissen. Die Tore zur Anderswelt sind nicht leicht zu finden: in Höhlen und Brunnen, Quellen und Seen, durch uralte Megalithhügel oder Dolmen oder unter Haselbüschen. Meist wogt Nebel um die Eingänge. Der Weg führt über eine schwankende Regenbogenbrücke, eine Brücke aus scharfen Schwertklingen oder durch tiefe, reißende Furten. Häufig lauern auch wilde Bestien dort, die Unbefugte vertreiben, oder grimmige Krieger beschützen die Tore.
Hat man jedoch den Zugang gefunden, befindet man sich in einer bezaubernden Landschaft. Haine von blühenden Apfelbäumen erstrecken sich auf den Inseln, gläserne Paläste schimmern unter den Wellen, Feste werden gefeiert, bei denen köstliche Speisen gereicht werden und die Getränke nie versiegen. Natürlich wird Musik gemacht, gesungen und getanzt. Man geht auf die Jagd oder widmet sich der Liebe, man lauscht den Dichtern oder verfasst selbst Verse, übt sich im Wettkampf und mit den Waffen; Denn damit keine Langeweile aufkommt, sind hin und wieder Kämpfe gegen grässliche Ungeheuer und zauberkräftige Geister durchzufechten. Doch Wunden, Tränen, Schmerz und Krankheit spielen in der Anderswelt keine Rolle – sie ist ein Ort der Heilung und der Vollendung.
Insofern wünsche ich der interessierten Leserschaft, dass sie diesen magischen und mystischen Ort ebenfalls zu finden vermag!
Vielen Dank für Euer Interesse!